Teenager: Elterliche Kontrolle schützt vor Drogenmissbrauch
Mag. Christiane Turnheim
www.psychohelp.at
Für viele Teenager hört sich das Ergebnis einer Untersuchung eines
Antidrogen-Centers in New York, USA, nicht gerade erfreulich an: je
mehr Eltern das Leben ihrer heranwachsenden Kinder kontrollieren und
Regeln setzen, desto geringer ist die Gefahr, daß die Teens rauchen,
trinken oder illegale Drogen verwenden. Darüber hinaus zeigt die
Studie einen für manche Eltern erstaunlichen Nebeneffekt: Jugendliche
aus ‚strengeren Elternhäusern' berichteten über eine deutlich bessere
Beziehung zu ihren Eltern als Teenager mit größerem persönlichem
Entscheidungsspielraum. Dieses Ergebnis sollte Eltern Mut machen, sich
auch gegenüber ihren halbwüchsigen Kindern wie Eltern zu verhalten und
nicht wie Kumpel, hofft Joseph Califano, Präsident des National Center
on Addiction and Substance abuse'(CASA) der Columbia Universitaet in
New York. An der von dem Center im Herbst vergangenen Jahres
durchgeführten Untersuchung nahmen 1000 12 bis 17jaehrige Jugendliche
teil.
Die zentralen Schlußfolgerungen aus der Untersuchung sind: Eltern
spielen eine Schluesselrolle bei der Verhinderung von Drogenkonsum bei
Jugendlichen. Ihr Einfluß kann etwaigen negativen Einflüssen durch
Fernsehen, Kino oder der Musikkultur durchaus Paroli bieten. Und -
elterliche Fürsorge und elterliches Engagement mag länger notwendig
sein, als viele glauben.
Das Anti-Drogeninstitut CASA untersucht seit Mitte der 90iger Jahre in
jährlichen Untersuchungen die Einstellung amerikanischer Jugendlicher
zu Drogen und versucht anhand mehrerer Indikatoren das Risiko für
einen Drogenkonsum abzuschätzen. In der jüngsten jetzt veröffentlichen
Untersuchung wurde erstmals das Verhalten der Eltern in Beziehung
gesetzt zum Drogenrisiko. Die Wissenschafter fragten nach insgesamt 12
möglichen erzieherischen Aktivitäten der Eltern wie Überwachung von
Schulleistungen, Kontrolle von Fernseh- und Internetgewohnheiten der
Teens und Regeln für CD-Käufe, ob die Eltern die Freunde ihrer Söhne
oder Töchter kennen und wissen, wo der Nachwuchs die Freizeit
verbringt. Weiters wurde gefragt, ob die Familie das Abendessen
gemeinsam einnimmt, ob dabei der Fernseher läuft oder ob Zeit für
Familiengespräche ist, ob jemand Zuhause ist wenn die Jugendlichen von
der Schule heimkommen und ob die Teenager Haushaltsaufgaben übernehmen
müssen. Eltern, die zehn und mehr von diesen Aktivitäten durchführen,
wurden dann als ‚aktiv beteiligte Eltern' (hands-on Eltern)
eingestuft. 5 und weniger Aktivitäten bedeutete eine Einstufung als
‚nicht aktiv beteiligte Eltern' (hands-off Eltern).
Von den 1000 an der Untersuchung teilnehmenden 12 - 17 jährigen
Jugendlichen lebt nur jeder vierte in einer Familie mit aktiv
beteiligten Eltern. Etwa jeder 5. Jugendliche lebt in einer Familie
mit ‚hands-off' Eltern. Die Gefahr einer mißbräuchlichen Verwendung
von illegalen Drogen oder Alkohol ist bei diesen Jugendlichen viermal
so hoch wie bei Jugendlichen mit aktiven Eltern.
Das Mehr an elterlicher Kontrolle scheint laut dieser Untersuchung -
für viele sicher erstaunlich- der Beziehung zwischen Eltern und
Kindern mehr zu nützen denn zu schaden. 41 % der Jugendlichen mit
aktiven Eltern bezeichneten ihre Beziehung zum Vater als sehr gut und
54 % bezeichneten so die Beziehung zur Mutter. In den Familien mit ‚hands-off'
Eltern gaben nur 14 % eine gute Beziehung zum Vater an und 24 % eine
gute Beziehung zur Mutter. CASA-Präsident Joseph Califano sagte zu
diesen Zahlen: ‚Soviel Teenager sich auch über elterliche Regeln und
Strenge beklagen, sie spüren gleichzeitig, daß dahinter Fürsorge und
Liebe stehen. Eltern sollten daher in den Kampf gegen den
Drogenmissbrauch viel stärker eingespannt werden.'
Noch einige andere Zahlen aus der Untersuchung:
Auf die Frage ‚Was ist leichter zu kaufen: Zigaretten, Marihuana oder
Bier?' (in den USA ist der Verkauf von Tabak und Alkohol an
Jugendliche verboten. Die Altersgrenze für den Kauf von Alkohol liegt
in manchen Bundesstaaten bei 21 Jahren) antworteten je 33 %, das
Zigaretten bzw. Marihuana am leichtesten zu kaufen seien.
28 % der Jugendlichen hatten Freunde oder Klassenkameraden, die
Ecstasy Tabletten konsumieren Jeder 10. Jugendliche war schon bei
einer Rave-Veranstaltung und bei 70 % dieser Veranstaltungen waren
Ecstasy-Tabletten erhältlich.
Nur 51 % der Jugendlichen sagten von sich, daß sie wahrscheinlich
niemals illegale Drogen probieren werden. (1999: 60 %)
Mehr als 60 % der Jugendlichen über 16 Jahre sagten, daß an ihrer
Schule Drogen kursieren.
17 % gaben an, sich von Freunden unter Druck gesetzt zu fühlen, Drogen
zu probieren.
Auf keinen Fall möchte ich mich
hier in diesem Forum als Experte aufspielen.
Mir ist es jedoch ein Bedürfnis, zu diesem Thema auch als
Postenkommandant von Traun meine persönliche Meinung kund zu tun:
Sucht hat viele
„Gesichter“
Ich bin weit weg davon, jetzt alle gängigen Suchtmittel aufzuzählen,
geschweige denn, zu differenzieren, welche davon gefährlich oder
ungefährlich sind, legal oder verboten sein sollen.
Lieber möchte ich einen Schritt weiter gehen. Sucht hat viele „Väter“.
Und auch hier möchte ich nicht auf den Dealer vor der Schule oder in
Diskos eingehen, sondern viel mehr auf jene, die den Kampf gegen die
Droge allgemein aufgegeben haben und alle möglichen sinnvollen oder
auch sinnlosen Aktivitäten veranstalten, der Droge Pate zu stehen und
sie in irgend einer Form zu legalisieren. Da versucht man lieber die
Volksdrogen Nr. 1 – Alkohol und Nikotin – als Beispiel heranzuziehen
(was da gut ist kann für Cannabis nicht schlecht sein) um auch anderen
Suchtmitteln das Mäntelchen der Legalität zu verschaffen.
Wer von den Suchtpredigern denkt daran, warum Menschen zu Suchtmitteln
greifen ?
Vergessen diese, wer eigentlich wann zu Suchtmitteln greift ? Sind es
nicht bereits Kinder die in ihrer scheinbaren Ausweglosigkeit zu
Suchtmitteln aller Art greifen. Und gerade für diese Gruppe – den
Kindern und Jugendlichen – wird mit der jetzt geführten Diskussion
„Legalität der Droge“ ein vollkommen falsches Bild der
Drogenproblematik vorgegaukelt, ihnen in ihrer Entscheidung Drogen zu
konsumieren ja sogar recht geben. Dieses Problem anzugehen erscheint
tatsächlich nicht leicht, ja sogar ausweglos und darin sehe ich auch
vielfach den Grund der Gangart: „Was ich nicht ändern kann, muss ich
eben erlauben !“ Dass dieser Weg in die Ausweglosigkeit führt, ist in
vielen Bereichen bereits zu erkennen.
Dies sollte Grund genug sein, Eltern und Erziehungsberechtigte
verstärkt auf ihre Verantwortung aufmerksam zu machen. Die Schuld am
Versagen der Erziehung der eigenen Kinder anderen, den Dealern, den
konsumorientierten Geschäftemachern, der Schule, der Exekutive u.s.w.
in die Schuhe zu schieben, ist sicher der leichteste, aber mit
Sicherheit der falscheste Weg, Kinder vor schädlichen Einflüssen zu
schützen.
Karl Punz, Chefinsp
Gendarmerie Traun
Zahl der Drogentoten in
Deutschland dramatisch gestiegen
2030 Menschen starben im vergangen Jahr nach illegalem Drogen-Konsum
Berlin - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung http://www.bmgesundheit.de
, Marion Caspers-Merk, hat heute, Donnerstag, in Berlin ihren ersten
Drogenbericht vorgestellt. Nach der Bilanz für das Jahr 2000 ist die
Zahl der Drogentoten in Deutschland um 11,6 Prozent gegenüber dem
Vorjahr gestiegen. Danach starben 2030 Menschen an dem Konsum
illegaler Drogen. Das sind 218 mehr als 1999.
Besonders hoch ist die Zahl er Drogenopfer in Nordrhein-Westfalen mit
506, gefolgt von Bayern (340) und Baden –Württemberg (286). Laut
Caspers-Merk gibt es beim Genuss der legalen Drogen wie Alkohol und
Tabak insgesamt einen Rückgang. Besorgniserregend sei jedoch, dass
Kinder und Jugendliche im Rahmen ihrer "Spaßkultur" immer
risikoreicher Drogen konsumierten. So liege laut einer europaweiten
Studie das Einstiegsalter bereits durchschnittlich bei 13,6 Jahren,
erklärte Caspers-Merk. Eine große Gefahr bestehe darin, das Alkohol
von der großen Mehrheit der Bevölkerung unkritisch eingeschätzt werde.
Um diesem Negativtrend entgegenzuwirken, will das
Gesundheitsministerium ab Sommer unter der Webadresse http://www.drog.com
ein zusätzliches Beratungsangebot zur bereitstellen, kündigte
Caspers-Merk an. Ihr Credo, so sagte die Drogenbeauftragte, bestehe
weiterhin darin, den Gebrauch von Drogen generell zu
entkriminalisieren und mehr über die Risiken zu informieren. Die am
häufigsten in Deutschland konsumierte illegale Droge ist dem Bericht
zufolge Cannabis. Über ein viertel der Jugendlichen habe damit
Erfahrungen gemacht. Dabei gäbe es nur geringe Unterschiede in Ost-
und Westdeutschland. Angestiegen ist auch der Gebrauch von Kokain.
Besonders dramatisch schätzt Caspers-Merk die Abhängigkeit
jugendlicher Aussiedler in Deutschland ein.
In dieser Gruppe habe sich die Zahl der Toten von 36 im Jahr 1999 auf
163 im Jahr 2000 vervierfacht. Als Ursache nannte die
Drogenbeauftragte neben den geringen Sprachkenntnissen den Mangel an
Vertrauen in staatliche Hilfsangebote. Erstmals, so verwies
Caspers-Merk, enthalte der Bericht ihrer Behörde Untersuchungen zum
Medikamentenmissbrauch. Allerdings wisse man dazu noch zu wenig,
insbesondere was die Gruppe von Kindern und Jugendlichen angeht.
Eine Umfrage im vergangenen Monat habe gezeigt, dass 17 Prozent der
Frauen und 12 Prozent der Männer Medikamente mit psychoaktiver Wirkung
eingenommen haben. Auch bei Kindern und Jugendlichen scheine sich ein
lockerer Umgang mit Schmerzmitteln zu etablieren, bemerkte
Caspers-Merk. Die Drogenbeauftragte kündigte an, den Nationalen
Rauschgiftbekämpfungsplan aus dem Jahr 1990, der einseitig auf
illegale Drogen ausgereichtet sei, zu reformieren.
Nur ein geringer Teil der Bevölkerung kann mit Alkohol nicht
angemessen umgehen. Die überwiegende Mehrheit trinkt ihr tägliches
Krügel gemeinsam mit Freunden oder der Familie und jedenfalls dem
Genuss zuliebe. Eine deutsche Studie zeigt jetzt, dass Jugendliche
nicht durch die Werbung, sondern durch ihr soziales Umfeld zu
übermäßigem Alkoholkonsum "erzogen" werden. Werbeverbote, so die
Studie, aber auch jede Art von Angstmache sind kontraproduktiv. Mit
einem Maßnahmenbündel, das auf Aufklärung und auch auf die
Lebensfreude abzielt, ist viel mehr zu erreichen.
"Werbe- und Vertriebsverbote stellen kein effektives Instrumentarium
der Prävention eines zu frühzeitigen und zu intensiven Alkoholkonsums
dar", ist die feste Überzeugung von Univ.-Prof. Dr. Reinhold Bergler
vom Psychologischen Institut der Universität Bonn. Wer daher seinen
Beitrag zur Gesundheitsförderung nur in Form einer Forderung nach
einem Werbeverbot leiste, so der Wissenschaftler, verhindere eine
echte Diskussion über die eigentlichen Ursachen der Probleme. "Alkohol
als Genussmittel ist - wenn man von der missbräuchlichen Verwendung
einmal absieht - integraler Bestandteil eines sozial attraktiven und
kommunikativen Lebensstils", lässt sich in der Studie weiter lesen.
Gemessen an den Kriterien der Weltgesundheits-Organisation (WHO)
konsumiert nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung zu viel Alkohol,
während der überwiegende Teil der deutschen, und wohl auch der
österreichischen Bevölkerung ihr Krügel oder ihr Glas Wein im sozialen
Kontext und als Genussmittel zu sich nimmt. Prof. Bergler hat in
seiner Studie "Ursachen des Alkoholkonsums im Jugendalter" (erschienen
im Jahr 2000 als Band 4 der Schriftenreihe zur Angewandten
Sozialpsychologie im Deutschen Instituts-Verlag, Köln) untersucht,
welchen Einfluss die Alkoholwerbung auf das Konsumverhalten von
Jugendlichen hat. Und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass "der
Alkoholwerbung keine Auslöserfunktion für den Beginn des
Alkoholkonsums im Jugendalter zukommt". Der Grund für das
unangemessene Verhalten sei zentral in der Eltern-Kind-Beziehung zu
finden bzw. in einem spezifischen kulturellen und gesellschaftlichen
Umfeld, das Alkohol als Problemlöser in den Vordergrund rückt. Diese
Analyse liegt auch der Vorgangsweise des Verbandes der Brauereien
Österreichs zugrunde, dem es darum geht, einen deutlichen Unterschied
zwischen der Mehrheit der Bevölkerung, die verantwortungsbewusst und
mit Freude ihr Bier genießt und der kleinen Minderheit, die
Alkohol-Missbrauch betreibt, zu ziehen.
Ein erster Schritt dieser Linie "Genuss mit Verantwortung" war die
Herausgabe des "Weißbuchs Bier" in Zusammenarbeit mit einer Reihe von
Wissenschaftlern, das sehr zentral auch die gesundheitlichen Vorteile
eines moderaten Biergenusses herausarbeitet. Verbote bzw. Versuche,
Angst vor dem Alkohol zu erzeugen, können nach Ansicht des
Sozialpsychologen Bergler kein Mittel sein, um Missbrauch zu
verhindern. Denn die Jugendlichen wissen ohnehin sehr gut über die
Nachteile übermäßigen Alkoholkonsums Bescheid. Auch haben gerade junge
Menschen gelernt, mit Werbung umzugehen und lassen sich von ihr, was
den Alkoholkonsum betrifft, nicht beeinflussen. Der Wissenschaftler
schlägt daher vor, ein Bündel von Maßnahmen zu ergreifen, wie etwa
eine offensive Präventionsarbeit, bei der eine offene
Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol stattfindet. Weiters die
Förderung einer aktiven Genussorientierung schon von klein auf, die
Kontrolle bestehender Gesetze, die Kommunikation von Risikofaktoren,
die Förderung von leistungsfördernden Freizeitaktivitäten
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